Tryptophanspiegel bei älteren Menschen

Bei älteren Menschen treten vermehrt neuropsychiatrische Symptome auf. Neuere Daten sprechen dafür, dass die „low grade inflammation“, die für den Alterungsprozess charakteristisch ist, hierbei eine Rolle spielt. Französische Wissenschaftler untersuchten bei 284 gesunden älteren Menschen zwei enzymatische Stoffwechselwege, die an der Biosynthese von Monoaminen beteiligt sind. Erwartungsgemäß korrelierte das Lebensalter signifikant mit den Konzentrationen von Immunmarkern und neuropsychiatrischen Symptomen.

Eine erhöhte Entzündungsbereitschaft war mit reduzierten Tryptophankonzentrationen und erhöhten Kynureninspiegeln verbunden, was auf einen verstärkten Tryptophanaubbau durch IDO hinwies. Zusätzlich ging die Entzündungsaktivität mit einem Anstieg von Neoptherin und Nitrit einher, und es kam außerdem zu einem Anstieg der Phenylalaninkonzentrationen zu Ungunsten des Tyrosins.

Ein vermehrter Tryptophanabbau war mit depressiven Symptomen assoziiert, z.B. mit verminderter Motivation, Pessimismus, sich gehen lassen. Hingegen zeigten sich Veränderungen im Tyrosinstoffwechsel hauptsächlich in neurodegenerativen Symptomen, einschließlich Schlafstörungen, Verdauungsbeschwerden, Müdigkeit und motorischen Symptomen. Es ist also davon auszugehen, dass die altersassoziierte chronische Entzündung mit Veränderungen des Monoaminmetabolismus einhergeht und dass diese Veränderungen wiederum an neuropsychiatrischen Symptomen bei älteren Menschen beteiligt sind.

Referenz:
Capuron L et al.: Chronic low-grade inflammation in elderly persons is associated with altered tryptophan and tyrosine metabolism: Role in neuropsychiatric symptoms; Biol Psychiatry 2011 Jan 28

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